Als grundlegendes Konzept für meine Forschung habe ich mich für die Aktionsforschungs-Methode und Beschreibende-Methode entschieden. Als Künstler ist es denke ich immer eine Mischung von Konzepten und dies wird hoffentlich nicht so streng im wissenschaftlichen Sinne bewertet. Die Aktionsforschung ist für mich interessant, da es ein zyklischer Prozeß ist und ich sehen kann was passiert und so jeder Schritt neu bewertet werden kann. Dabei geht es ja eher darum ein tieferes Verständniss für das Thema zu erlangen und wie ich es in meinem künstlerischen Leben aber auch in meiner Arbeit als Lehrer intigrieren kann. Alle Versuche die ich durchgeführt habe, reflektiere und beschreibe ich im Blog und bitte die Teilnehmer einen Fragebogen am Ende auszufüllen, um die Chekhov Methode in der Musik umfassend bewerten zu können. Hierraus finden sich dann neue Ansätzte und Hypothesen für die weitere Arbeit ergeben.
2.1 Blog
In meinem Blog versuche ich alle Ergebnisse und Gedanken zu sammeln. Hier werden die verschiedenen Versuchsreihen wie : Workshops, Duo-Sessions und My work dokumentiert und evaluiert. Hier ist auch meine Masterarbeit in deutscher und englischer Sprache zu finden. Beim Start meines Studiums hatte ich einen anderen Blog, den ich aber kurz vor Ende meiner Masterarbeit hierher gewechselt habe. Wer da noch mal reinsehen mag: https://baxjazz.blogspot.com
2.2 Literatur
Um mich der Methode zu nähern habe ich einige Bücher zum Thema gelesen, natürlich von Chekhov selber aber auch Lenard Petit, der einer der Hauptvertreter dieser Technik im Moment ist würde ich sagen. Hier findet man die Passagen die mich zu gewissen Übungen angeregt haben: Literatur (deutsch)
2.3 Drei Techniken
Ich habe mir hier drei Techniken von Chekhov ausgesucht, die wie ich feststellte eines gemeinsam haben. Fokussierung. Deise teilt sich auf in drei Bereiche dem kognitiven level, dem körperlichen level und dem emotionalen level. Ich habe die Techniken nicht bei allen Studiuen angewant, da sie meiner Meinung nicht überall Sinn ergaben.
2.3.1 Physical and imarinary Gesture 👋🏻
„In fact, the purpose of Chekhov’s “psychological gesture” was to help actors capture complex context with simple archetypal gestures.“ *3
Die wohl bekannteste und zentralste Technik von Michael Chekhov ist die psychologische Geste. Das meint eine imaginierte Geste, die man als zentralen Satz oder Anhaltspunkt für die Interpretation eines Songs nutzen kann. Wie ich damit arbeite, habe ich aus den Büchern die ich zu dem Thema gelesen habe (Siehe oben Literatur). Für mich habe ich folgende Arbeitmethode in den Workshops (1-3) und in meiner Arbeit gefunden. Es geht bei der Geste darum erst mal ein zentralen Satz des Songs zu finden, der das Wollen mit einbezieht. Es muss ein aktiver Satz sein, einer der über allem steht was man im Song ausdrücken möchte. Dann versuche ich eine Körperhaltung Geste zu diesem Satz zu finden, und diese so genau zu definieren, was Blicke Haltung der Arme und Beine betrifft, dass es sich so in Verbindung zu dem Song richtig anfühlt.
„Gebärden sprechen vom Wünschen (Willen). Ist der Wunsch stark, dann wird auch die ihn zu Ausdruck bringende Gebärde stark sein..Sie sind nicht der Herr ihres Willens. Aber sie können eine Gebärde machen, und darauf wird Ihr Wille reagieren.“ „eine Geste, ganz gleich, wie primitiv sie Ihnen vorkommen mag….bringt den Willen Ihres Handels zum Ausdruck, in den Stimmungen seine Gefühle.“ S. 45. und S.50 *1
Danach möchte ich probieren wie es ist, wenn ich den Song singe ohne die physische Hilfe, also nur in der Vorstellung. Hat es den gleichen Effekt wie wenn ich es mit der physischen Geste mache? (…mit dem Wort Psychologie meinen wir nicht Psychoanalyse. Wir reden nicht über Freud oder etwas wissenschaftliches. Wir reden lediglich über dein Ich-Gefühl.“ S. 140 *2) Welchen Effekt hat das ganze auf die Stimme auf den Ausdruck.
„fixieren sie den seelischen Zustand und beobachten sie seine Bewegungen. … Machen sie die Gebärde mehrmals und versuchen Sei dann – ohne die Gebärde – den Text des Monologs zu sprechen, bis der allgemeine Charakter und die Kolorite der Gebärde in ihrer Sprechweise widerklingen.“ S.63. *1
2.3.2 Atmosphere 🌈
„Ist Ihnen schon aufgefallen, wie Sie sich unwillkürlich anders bewegen, sprechen, sich anders geben, wie sich Ihre Gedanken, Gefühle und Stimmungen ändern, wenn Sei in eine starke, packende Atmosphäre hineingeraten…“ S.27.
Dieses Thema fand ich schwieriger zu greifen. Ich habe in den Workshops verschiedene Dinge in diese Richtung ausprobiert. Am spannendsten fand ich den Forrest Walk, dessen Idee aus aus den Büchern stammte:
„Beginnen Sie mit Beobachtungen an Blumen und Pflanzenformen. Fragen Sie sich selbst, welche Gebärde und Kolorite Ihnen eingegeben werden. Eine Zypresse z.B. strebt nach oben (Gebärde) und ist von Natur aus still und konzentriert (Kolorit), während eine alte, verästelte Eiche sich ungestüm und weit (Kolorit) nach allen Seiten hin ausbreitet…jeder Stein, jeder Fels jede ferne Gebirkskette, Wolken, Flüsse und Wellen werden Ihnen von Gebärden und Stimmungen berichten“ * Michael Cechov *1 S. 245, 246.
Auch das folgende Zitat habe ich versucht in der freie Improvisation nach dem Forrest-Walk umzusetzen durch die Jahreszeiten zu gehen:
„Ein junger Mann wird zu einem Greis; ein junger Trieb wird zu einem großen, vielästigen Baum, eine Winterlandschaft wird zu einer Frühlings- Sommer, Herbst- und schließlich wieder Winterlandschaft u.s.w…durch die äußere Erscheinung hindurch in das intime innere Leben einer Gestalt hineinzublicken.“ *1 S.23.
Hier habe ich versucht die Stimmung der Gegend, die Geste der Bäume in eine freie Improvisation bringen. Helen brachte mich auch auf die Idee aus einer Atmosphäre zu komponieren ein Stück daraus zu entwickeln.
„Hören sie sich – auch aus dem Gedächtnis eine Ihnen wohlbekannte musikalische Phrase an. Entwickeln sie dazu eine passende Geste. Führen Sie sie aus … Erstellen sie auf diese Art eine ganze Reihe aus der Musik entwickelte Gesten her…“ S. 76. *1
Ähnlich wie bei dem Forrest Walk habe ich als zweites probiert aus Lieblingssongs der Teilnehmer, eine freie Improvisationen zu gestalten. Wir haben die Aufnahmen genau angehört und nach Aspekten, Stimmungen (Bildern) oder Gesten der Atmosphäre die dieser Song überträgt gesucht. Diese haben wir dann in einer freien Improvisation miteinflißen lassen. (Workshop 4 und 5)
Auch in der Duo-Arbeit habe ich die Atmosphären einfließen lassen, zum Beispiel in der New York Session mit Andrew oder mit Benjamin, haben wir auch eine Song gespielt und an eine Landschaft gedacht (leider sind manche Aufnahme verloren gegangen)
„oft beginnt die schöpferische Arbeit eines … Komponisten mit dem Wunsch, einer ihn plötzlich überkommenden Atmosphäre Gestalt zu verleihen. Vielleicht gibt es in dieser Atmosphäre noch keine klar umrissenen Themen …. und trotzdem weiß der Künstler, dass in der Tiefe seines Unterbewusstseins die Arbeit bereits begonnen hat.“ S.37.
Inspiriert durch Helens Komposition nach unserem Forrest Walk, habe ich den Gedanken fortgeführt und versucht das Komponieren aus einer Atmosphäre für mich zu entwickeln. Mehr dazu auf my work.
2.3.3 Imaginay Tool ⚽️
„So, wie ein Maler beispielsweise außerhalb des Materials steht, das er für die Realisierung seiner Bilder benützt, stehen auch Sie, der Schauspieler, bei inspiriertem Spiel außerhalb des Leibes und außerhalb der schöpferischen Emotionen….zweites Bewusstsein“ *1 S.122.
Diese Idee kam von mir selber, denn ich habe festgestellt wie Sänger in ihrem Gesang und Improvisation Dinge taten die mich an eine Tätigkeit erinnerten. Zum Beispiel hier bei Ella Fitzgerald 3:36. Ich musste da immer an ein Lasso denken das geschwungen wird. Wenn ich hier Billie Holiday beobachtet, benutzt sie ihren rechten Arm um zu etwas zu steuern, was vielleicht unbewußt geschieht aber scheinbar ihre Art zu phrasieren beeinflußt. Auch bei Liz Wright und Mel Torme beobachte ich wie äußerliche Bewegungen eine scheinbare Präzision in der Ausführung erleichtern.
Hinsichtlich darauf kam ich auf das imaginary Center von Chekhov. Es brachte mich auf den Gedanken sich eine Tätigkeit vorzustellen die außerhalb des Körpers liegt mit der man aber trotzdem verbunden ist. Wie zum Beispiel ein Lasso zu schwingen, Ping-Ping zu spielen oder eine andere aktive Tätigkeit bei der der Körper involviert ist. Dieses Feld habe ich Imaginary Tool genannt. Die Tätigkeit an sich, setzt wie das imaginary center die Phantasie und die Imagination in Gange zu dem Tätigkeitsfeld besteht und dadurch meiner Annahme nach einen klaren Bezug zu etwas, rhytmischem wie auch klanglichen. Ich habe mit dieser Idee hauptsächlich in den Duo-Sessions gearbeitet, sie aber auch mit Erfolg in einem Workshop ausprobiert (Workshop 6). In dem Buch „the inner game music“ habe ich später dann eine ähnkliche Idee gefunden.
„Stell die vor, wie ein Tischtennisball von der einen Seite des Netzes zur anderen hin und herspringt….Beschleunige dein Spiel nach einer gewissen Zeit, lass es schnell und wild werden. Spiel dein Phantasiespiel. (Ballwechsel)“ *4 S. 207.
2.4 Drei Forschungs-Studien
Ich habe versucht die Teile der Chehkov-Methode in verschiedenen Disziplinen zu testen um so ein umfangreiches Bild zu bekommen was die Technik der Musikwelt bieten kann und was nicht. Erst habe ich mit den Workshops angefangen, daraus hat sich ergeben die Methode in der Duo Konstellationen auszuprobieren. Als letztes habe ich die Methode für meine künstlerische Arbeit ausprobiert. Die einzelnen Einträge zu diesen drei Themen findet man unter: Blog.
2.4.1 Workshops
Die Arbeit mit den Workshops war mir als erstes klar, denn ich wollte wissen wie die Technik von Außen wirkt. Ich hatte im Frühjahr 2019 einen Workshop am Conservatorium Maastricht gegeben und daraus ist diese Idee entstanden. Für mich war es spannend mit hauptsächlich Sängern und Musikern des Conservatorium Maastricht zu arbeiten (zwischen 20 – 30 Jahren) und mit Ihnen in 6 Workshops Aspekte der Technik zu probieren. Für viele der Mitwirkenden war Schauspiel was neues und auch diese Art zu arbeiten. Ich war darüber froh, denn ich hatte hier eine einigermaßen neutrale Ausgangslage. Ich habe die meisten Workshops per Video mitgeschnitten, machte aber auch um den Unterschied festzustellen Audioaufnahmen.
Wir haben an der psychologischen und physischen Geste gearbeitet, an Atmosphären und am imaginary Tool.
2.4.2 Duo-Sessions
Diese Studie hat sich hat sich glücklicherweise aus meiner Duo-Arbeit mit zwei wunderbaren Musikern ergeben. Mit beiden habe ich mihc mehr auf das Imaginary tool konzentriert aber auch die Atmosphäre und Geste probiert.
Der Australier Andrew Saragossi, ist ein hervorragender Saxophonist, der mit mir im Master-Studiengang studierte und sich in seiner Arbeit mit freier Improvisation beschäftigt. Hier ein wunderbares Beispiel mit seinem Duo Meatshell. Ihn interessiert es als begleitendes Intrument zu ageieren und dieses anhand von multiphonischen und anderen Techniken umzusetzen. Wir haben an freien Improvisationen gearbeitet aber auch an dem Stück „They say it’s wonderful“.
Der andere Duo Partner ist der Gitarrist und Komponist Benjamin Schneider, mit dem ich auch das Duo Aquarius zusammen gegründet habe. Wir hatten uns auf Jazzstandards konzentriert und wollten neue Dinge ausprobieren um einen eigenen Klang zu kreieren. Ich habe ihn in dem Zuge gebeten, ob wir nicht auch ein bisschen mit der Technik arbeiten könnten. Wir haben mit dem imaginary tool gespielt aber auch an der Geste und der Atmospären probiert.
2.4.3 My work
Dies war der schwerste Part für mich. Wie sollte ich diesen Versuch anlegen? Ich folgte hier meist intuitiv meinen Gedanken.
- Reise!
Als erstes habe ich an meiner Vocalese Reise! mit der Geste zu arbeiten um den Klang zu verbessern und eine Leichtigkeit und Lockerheit in die Interpreation zu bringen. Und: Wie finde ich eine gute Arbeits-Methode für mich hinsichtlich der Geste und wird es eine Verbesserung am Ende des Weges geben?
2. „Monbijou-Brücke“
Inspiriert von Helen habe ich mich als daran gewagt einen ungewöhnlichen Versuch zu starten aus eine Atmosphäre einen Song für mich zu komponieren. Dies habe ich hand eines Videos als Ideenschmiede gemacht das mir die Basis für die Atmosphäre und diese Komposition war.
Dieses findet man im Blog unter „my work“.
2.5. Evaluation
2.5.1 Auswertung der Video und Ausdio-Auzeichung
Ich habe versucht alle Aufzeichnungen (Audio/Video) der drei Studien auszuwerten. Diese findet man auch in meinem Blog.
2.5.2 Fragebogen
Direkt nach meiner Workshopreihe, habe ich einen ersten kleinen Fragebogen erstellt mit offenen Fragen wo die Teilnehmer von ihren Erfahurgen mit der Chekhov-Methode berichten sollten.
Für einen zweiten, differenzierteren Fragebogen habe ich dann alle Ergebnisse des ersten Fragebogens benutzt und meine weiteren Ergebnisse aus Forschung mit der Methode (Duo-sessions, my work) Das Herzstück dieses Fragebogens bilden die drei Techniken, die ich gegenüber Tschechow für die Musik leicht modifiziert habe: Geste, Atmosphäre und imaginäres Tool. Alle drei optimierten Techniken haben eines gemeinsam: Fokussierung
Die Fokussierung teile ich wiederum in drei Ebenen ein, die sich an allen Techniken der Methode wiederspiegeln:
In die emotionale Ebene (rot), die körperliche Ebene (grün) und die kognitive Ebene (blau)
Jetzt habe ich versucht, den drei Ebenen die wichtige inhaltliche Wörter zuzuweisen, die ich in meinen drei Studien gefunden habe. Natürlich gibt es eine Überlappung zwischen den drei Ebenen und man kann das nicht so einfach trennen, aber ich fand das für diese Forschung ganz sinnvoll. Diese gruppierung der level scheint mit sinnvoll und klar zu sein.
Emotionslevel:
klare Verbindung Botschaft/message und klarheit des Textes
Phrasierung / Rhythmus / Textur
emmotionaler Ausdruck neue Ausdrucksmittel Texturen und Sounds Bessere Verbindungen zum Publikum und zu meiner authentischen Botschaft
Körperliche Ebene:
Körperbewusstsein
natürliche und Körperspannung/Haltunh
Klang / Klangfülle
Bewusstsein für Bewegungen
Besserer Klang der Stimme oder den Intruments Präsenz
Kognitive Ebene:
neue Ideen / Vorstellungskraft
Den inneren Kritiker loslassen
Konzentration / im Moment sein
Durch Konzentration und Imagination bekomme ich klare konkrete Ideen
Wenn ich mir all diese makierten Zusammenfassung des level ansehe, komme ich zu eine zweiten Unterhypothese die ich dem Fragebogen zu Grunde lege:
Die Chekhov-Methode umfassenden Effekt auf die Authentizität und Künstlerpersönlichkeit eines Sängers und Instrumentalisten.
Literatur
- Michael A.Cechov (1998). Die Kunst des Schauspielers. Stuttgart: Verlag Urachhaus
- Lenard Petit (2010). Dei Cechov Methode. engl. Routledge. dt.Übersetzung 2014 Leipzig: Henschel Verlag
- James Haffner (2017).Musical Synthesis of the Michael Chekhov Technique: Integrated Training for the Singer – weblink critical stages
- Barry Green, Timothy Gallwey „The inner game of music“ (1986) Doubleday Verlag. deutsch (2008) Prof. Gerhard Hamann. allesimfluss Verlag